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Löcher im Licht der Gedankengänge eines Dickkopfes

Traditionsgemäß wurden zum Jahreswechsel in der Melanchthonkirche Klang- und Textpassagen sowie kulinarische Kleinigkeiten dargeboten. Im Mittelpunkt der diesjährigen Veranstaltung standen Texte und Werke von Erik Satie (1866 – 1925) angereichert mit Stücken von Astor Piazolla und John Cage. Kenner des Ehrenfelder „Kulturaumes“ hatten sich bereits am 1. Mai 2011 in der Mittagskirche der Gemeinde mit den skurrilen Gedankengängen des französischen Dickkopfes bekannt machen können.

Ludwig Kaiser im Vorjahrskonzert  (Foto: gpl ) Große Pianisten lassen gerne die Finger von den Werken des Meisters von Arcueil, wie Satie zu Lebzeiten genannt wurde. Ausnahme: Ludwig Kaiser, Konzertorganist und Komponist sowie Leiter der Kantorei an der Melanchthonkirche und Dr. Maik Hester, promovierter Musikwissenschaftler und international renommierter Konzertakkordeonist. Gemeinsam mit dem Schauspieler Klaus Weiss vom Bochumer Schauspielhaus bildeten sie ein vortrefflich harmonisierendes Trio, das efolgreich versuchte, die vorgegebenen simplen Ausdrucksformen und „Gedankengänge eines Dickkopfes“  umzusetzen. Der Cabaret-Pianist vom anrüchigen linken Seine-Ufer, der schließlich zu  einem angesehenen Komponisten neuer französischer Klaviermusik der Pariser Moderne aufstieg, zeigte stets reges Interesse am scheinbaren Unsinn des Lebens, dem er stets mit Ironie und Distanz begegnete. Immer wieder gelang es dem Bochumer Trio , ganz im Sinne Saties, auch tief in den Sinn des Lebens vorzudringen, was dem begeisternden Publikum nicht nur tiefe Bewunderung, sondern auch herzhafte Lachsalven entlockte.

Höhepunkt des Abends war sicherlich die tiefe Harmonie in der Darbietung zu „Ogive 1-4 Très lent“, das im Zusammenspiel mit Passagen aus „Verborgene Winkel meines Lebens“ die Löcher im Licht des Denkens Saties zu stopfen verstand.

Abgerundet wurde die Exkursion auf den Pfaden des entschleunigten Jahres mit John Cages „Souvenir für Orgel und Akkordeon“ und einem Glas Sekt oder Orangensaft während des Einläutens des neuen Jahres.

Alles Gute für’s neue Jahr 2012

Euer alter (Finland-) Schwede

Löcher im Licht

Silvester 2010 war er zusammen mit dem international renommierten Konzertakkordeonisten Maik Hester und dem Schauspieler Klaus Weiss bemüht, Licht in „die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ zu bringen.

Nach der „Einsicht in den Tag, nach dem (nicht nur) im Leben von Raimund Gregorius nichts mehr sein sollte wie zuvor“ (Pascal Mercier) konnte ich ein Ticket für den „Nachtzug nach Lissabon“ (Pascal Mercier) lösen.

Euer alter (Finnland-) Schwede
Abgerundet wurde das Programm mit der Uraufführung der „Improvision im Stile Saties über zwei Motive von Beethoven“ von Ludwig Kaiser und der „Oblivion für Klavier und Akkordeon“ (Astor Piazolla).

Traditionsgemäß wurden zum Jahreswechsel wieder kulinarische Kleinigkeiten und ein Glas Sekt oder Orangensaft kredenzt, woraufhin „die eigentümliche melancholische Verzauberung“ (Kundera) noch lange anhielt.

Euer alter (Finnland-) Schwede

Neujahrszigarre

Bei meinen Besuchen in der Heimatstad Bochum bin ich immer wieder auf der Suche nach einer angenehmen Ambiente abseits des Mainstreams. So auch diesmal an Neujahr, wo die meisten Restaurants und Cafés sowie geschlossen sind.

Café PriveSo kam es, dass ich rein zufällig auf der Suche einer Adresse auf der unteren Kortumstraβe am Café Prive auf dem Nordring traf. Es war im wahrsten Sinne des Wortes der einzige Lichtblick in einer ansonsten düsteren Häuserfront. Ich konnte Aschenbecher auf den noch verlassen wirkenden Tischen entdecken. Grund genug für mich, einzutreten und meine Neujahrszigarre zu rauchen.

Das Ambiente war einladend schlicht (griechisch) und ich wurde schnell animiert, einen Glühwein nach griechischer Art zu kosten. Der süßlich schmeckende und mit Metaxxa durchsetzte Wein mit weiteren Zutaten, die mir allerdings nicht verraten wurden, schmeckte ausgezeichnet.

Das Lokal füllte sich allmählich; es war ja noch recht früher Nachmittag; und ich kam mit dem Wirt ins Gespräch. Zum Abschluss kam ich noch in den Genuss herrlichen griechischen Weihnachtsgebäcks mit den allerdings fast unaussprechlichen Namen Melomakarono und Kourabies.

Es wird sicher nicht der letzte Besuch im Café sein. Es ist das einfache Konzept, dass mich anspricht: Man kommt rein, setzt sich hin und fühlt sich wohl. Der richtige Ausgleich also zu dem ansonsten recht hektischen Alltags. Und bei Bedarf kann man im Obergeschoss auch ein wenig googeln oder auch ein paar Runden Tavli spielen. Der, der es kann.

Euer alter (Finnland-) Schwede

Schnee und Eis haben Bochum im Griff?

Raucherstube i Helsinki
Also Leute. Wenn ihr wirklich glaubt, dass der Winter Einzug gehalten hat in Bochum, so seit ihr auf dem Holzweg. Ich meine so ein richtiger Winter bei – 20 Grad und merterhoch Schnee. Wie bei mir zu Hause in Bo-Helsinki. Das „Raucherstübchen“ am Bahnhof sieht ja gemütlich aus. Hat auch einige Heizstrahler. Aber der Zugang ist groß wie ein Scheunentor. Und das muss auf bleiben, auch bei – 20 Grad. So steht’s im Gesetz. Aber ein bisschen frische Luft kann ja nicht schaden. Es gibt zwar einige Alternative, die sind aber alle ohne Verglasung. Und dann wird man nass.

Natürlich muss man auch erst einmal hinkommen zur guten Stube. Die Busse drehen ihre Piouretten mit B-Noten bis zu 6.0 und die russischen Lastwagen treffen sich am Hang zum gemeinsamen „Gummi geben“. Eine wundervolle Winterlandschaft.

Na ja, ich merke schon, ihr seid da vielleicht nicht so ganz meiner Meinung. Aber mächtig ins Rutschen geratet ihr ja auch. Ich werde mir das Schauspiel an Sylvester live ansehen. Das kann ich mir einfach nicht entgehen lassen. Bei der B-Note wird die Bogestra allerdings nicht mit den Finnen mithalten können.

Ich freu mich schon auf euch und werde meinen Aufenthalt in Bochum bei „subtropischen“ Temperaturen genießen. Ich bin der Verrückte, der seine Zigarre im Biergarten raucht. In meiner alten Heimat. In Bochum (-Ehrenfeld)